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381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.

(Curiosa Sax. 1733, S. 77. Gräße, Sagenschatz ec. No. 466. Richter, Chron. von Chemnitz I. 1767, S. 100.)


Als den 19. April des Jahres 1540 die Barfüßermönche aus

der Stadt Chemnitz vertrieben wurden, nahmen sie ihren Abzug über den Katzberg (Kassberg), Sauanger und Altchemnitz, nach Böhmen zu, dabei hat einer derselben, Bruder Barthel genannt, auf dem Sauanger bei der Nikolaigasse eine Valetpredigt gehalten und darin verschiedene Dinge prophezeit. So hat er ein unter seinen Zuhörern stehendes Weib also angeredet: „Du liebes Weib, du trittst allhier und hörst mir zu, weißt aber nicht, dass dir unterdessen Dein einziges Kind im Bade ertrunken ist?“ Welches sie auch also tot gefunden. Ingleichen hat er verkündigt, dass der gute Mühlsteinbruch bei Chemnitz gangbar werden und dass in den beiden Kirchen zu St. Johannes und Nikolaus auf dem Altare Heidelbeersträucher wachsen würden. Dies ist auch geschehen, denn es sind beide Kirchen im Jahre 1547 von den Feinden angegriffen worden, wie sie denn viel größer und schöner denn jetzt gebaut gewesen. Weiter hat er dieser Stadt angesagt, dass sie nach ihm eine schöne wohlgebaute Stadt, volkreich und mit vielem Glück und Gaben Gottes würde begabt werden, allein wegen ihres Übermuts und anderer Sünden werde sie von Gott mit Pestilenz, Kriegsnot, Feuerschaden und endlich mit einer großen Wasserflut gestraft und heimgesucht werden, was auch leider bald nachher eingetroffen ist. Von Neukirchen im Amte Chemnitz hat dieser Mönch gesagt, dass sein Erbherr ein großes Schloss daselbst bauen, aber keiner allhier sterben und begraben werden dürfe, welches auch bis 1709 also geschehen, als in welchem Jahre der ältere Baron von Taube auf dem genannten Schlosse gestorben und in Neukirchen begraben worden. Ferner hat er gesagt, es werde daselbst auch eine steinerne Brücke erbaut werden, darauf werde eine doppelt verlobte Braut, wenn sie zur Kirche fahren wolle, versinken, welches auch die Erfahrung wahr gemacht hat.

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